Linux auf dem Desktop
| Nachdem ich wieder ein bisschen mehr Zeit habe, habe ich mich entschlossen meinen Maschinenpark (Desktop Athlon 2400, Laptop Celeron 600, Laptop Pentium 366) auf Vordermann zu bringen. Das primäre Ziel ist die optimale Linux Distribution für den Einsatz im Desktopbereich zu finden. Getestet habe ich Fedora Core 2, Suse 9, Mandrake 10, Debian unstable, und Gentoo. Um die Performance besser einzuschätzen, habe ich beim Celeron 600 den RAM von 192MB auf 64MB reduziert. | | Autor: tom - Date: 05.29.2004 - Size: 11515 chars - Hits / Day: 7.14 - Total Hits: 19068 | ** update 24.06.2004 ** SuSE nun doch getestet **
 SuSE 9.1 Screenshot mit IceWM Nachdem SuSE jetzt auch ISOs anbietet (http://www.suse.com/us/private/download/ftp/int_mirrors.html im Verzeichnis 9.1-personal-iso), habe ich es natürlich sofort ausprobiert. Der Download ist eine CD, wobei man beim YaST(2) die Installationssourcen so wählen kann, dass weitere Pakete vom Netz heruntergeladen werden. Der erste Eindruck mit KDE ist gut, jedoch finde ich die Bedienung bei Fedora Core 2 und Gnome ein wenig intuitiver. Die Pakete sind ebenfalls ein wenig älter als die von Fedora 2. So gibt es bei SuSE 9.1 "nur" Kernel 2.6.4. Ausserdem sind experimentelle Treiber wie der acx100_pci schon im kernel integriert. Das default Desktop Environment ist KDE und fühlt sich wesentlich schneller an als Gnome. Wobei auf meinem 366 Mhz Laptop sowieso IceWM zum Einsatz kommt.
 YaST2 im Einsatz RedHat und ihr Fedora Projekt hat mich bisher am meisten überzeugt, wobei auch hier noch Verbesserungsmöglichkeiten gibt: Gnome scheint wesentlich langsamer zu sein als KDE.
Beeindruckt hat mich, dass mit gktam und gphoto2 meine Canon Ixus v2 Sofort erkannt wurde und ich die Bilder herunterladen konnte. Bei Gnokii und meinem 6610 hat ich fast Erfolg. Also ich den USB IrDA Dongle einpluggte, wurde das Device sofort registriert.
 FC mit gktam und IXUS v2
IrDA: Registered SigmaTel device irda0
usbcore: registered new driver stir4200
SigmaTel support registered
danach reichte ein ifconfig irda0 up um das Device zu aktivieren. mit xgnokii konnte ich die Telefonnummern herauslesen, wobei aber die SMS Option beim 6610 nicht unterstützt wird.
Debian unstable ist, wie der Name schon sagt, unstable. Subjektiv war es neben Gentoo die schnellste Distribution. Openoffice startet relativ schnell im Vergleich zu Fedora und Mandrake. Debian hat als einziger die ATI Mach64 Karte richtig zum Laufen gebracht, bei allen anderen Distributionen musste ich das XF86Config File manuell anpassen. Debian hat zudem eine sehr, sehr grosse Paketauswahl.
Debian lief aber nicht einwandfrei auf dem 64MB Laptop, KDE blieb hängen und Firefox und Mozilla freezten bei der Eingabe beliebiger Zeichen auf der Tastatur.
Mein Server (Server Pentium 200) läuft einwandfrei auf Debian stable und ist noch nie abgestürzt. Ich sehe den Einsatz von Debian daher eher auf der Serverseite.
 Gentoo und Gimp Mandrake 10 hat einen sehr guten Installationsassistenten, der auch Experteneinstellungen ermöglicht. So war es möglich, den XFree Server mit der richtigen Konfiguration zu starten. Das default Desktop Environment ist KDE, welches auf meinem Celeron 600, ziemlich viel Ressourcen brauchte. Ausserdem startete Openoffice auf Französisch, aber ansonsten ist Mandrake 10 recht gut gelungen.
Mandrake wie auch Fedora Core 2 lassen sich per BitTorrent herunterladen. Das spart Bandbreite bei den Anbietern. Wenn jedoch zusätzlich eine Sunsite die Daten ebenfalls anbietet, dann wählt man schlussendlich doch die schnellere Sunsite.
Fedora Code 2 musste ich im Textmodus installieren, da meine ATI Mach64 Karte nicht erkannt wurde. Anaconda ist ebenfalls, wie Mandrake, ein gut gelungenes Installationsprogramm, aber mit deutlich weniger Experteneinstellungen. Mit 64MB lief Gnome nur mit einer Responsezeit von zirka einer Kaffeepause pro Klick (~1 Minute). Gnome ist für Rechner unter 128MB nicht geeignet. Nach der Installation von IceWM war es merklich besser, aber subjektiv immer noch langsamer als Debian oder Gentoo.
Dank apt-get oder yum für Fedora habe ich mich sehr schnell zurecht gefunden. Das Add/Remove Programm unter Fedora hätte man auch gleich weglassen können. Nachdem ich einige Packete so ausgewählt habe, dass diese installationsfähig sind, wurden sie auch schlussendlich installiert. Dabei musste ich aber zirka 20-mal CD1 und danach wieder CD2 einlegen. Es wäre wesentlich praktischer, wenn zuerst alle Pakete von CD1 und erst danach die Pakete von CD2 geladen werden.
 Fedora Core 2 Screenshot
Es sind alle wichtigen Pakete vorhanden und die Hardwareerkennung ist ebenfalls gut. Das einzige was nicht lief, war die Wireless Karte DWL 650+. Dazu musste ich von Hand ein Kernelmodul mit dem Namen acx100-0.2pre8_plus_fixes_9 kompilieren und in das System einbinden. Nicht gerade sehr benutzerfreundlich. Ich ziehe aber meinen Hut vor den Programmierern dieses Treibers. Sie haben den Treiber mit Reverse Enigneering hingekriegt, ohne Support von einem Hersteller. Chapeau!
Gentoo ist für seine Source Code Distribution bekannt. Das ermöglicht die Software direkt für einen Prozessor optimal zu kompilieren. Rechner mit schwacher Leistung sind aber nicht geeignet für diese Methode. Mein Pentium 366 kompiliert zirka 3 Tage für ein Openoffice und benötigt dabei mehr als 3GB temporären Speicher, was schon mal bei einer 5 GB Platte knapp werden kann. Das Kompilieren dauert ziemlich lange und bei häufigen Updates kommt ein langsamer Rechner fast nicht nach mit kompilieren. Wird gerade etwas kompiliert, kann man nebenbei fast nichts mehr machen.
 Fedora Core 2 ScreenshotAber wenn diese Hürden einmal überwunden sind, dann zeigt Gentoo seine Stärken. Neben Debian war Gentoo relativ flott unterwegs, auch mit nur 64MB. Es ist aber einem Anfänger nicht zu empfehlen Gentoo einzusetzen. Das lange kompilieren verhindert ebenfalls das schnelle Ausprobieren einer Applikation. Man muss sich im vornherein genau über diese Applikation informieren, bevor man sie installiert.
Die Paketanzahl ist ebenfalls sehr gross und mit emerge, welches vergleichbar mit apt-get ist, lassen sich Pakete automatisch downloaden, kompilieren und installieren.
SuSE 9 hatte ich leider nicht ausführlich testen können. Ich habe die Boot CD (22MB) gebrannt und mit dieser wollte ich die Pakete vom Netz runterlanden, was sich als sehr schwierig herausstellte. Das Problem ist, dass Suse keine ISOs bereitstellt. Ich habe es nicht geschafft, mein Netzwerk mit dieser Boot CD zum laufen zu bringen, obwohl ich eine RTL8139 Karte habe und der Treiber da war, lief das Netz einfach nicht. Eine SuSE CD habe ich nicht gekauft, da ich die Software bloss testen will.
Vergleich Linux - Windows Mein Laptop hat 192 MB RAM, ich hatte versucht Linux mit 64MB zu installieren. Bei Windows ging es grad noch so, die Reaktionszeit der Applikationen war unter 10 Sekunden. Bei Linux hingegen (habe Gnome, KDE und IceWM getestet) war die Reaktionszeit sehr schlecht. Mit IceWM ging es noch am besten, aber Ressourcenfreundlich ist Linux auf dem Desktop nicht. Da hat Windows noch Vorteile.
Wireless unter Linux ist nicht gerade das, was man einem Anfänger zumuten kann. Erst nachdem ich die Version 0.02pre8_plus_fixes_9 des acx100 Treibers heruntergeladen habe, funktioniert WLAN zu Teil. Aber bloss nicht in den Sleepmode gehen oder die WLAN Karte entfernen, sonst geht gar nichts mehr. Ich hatte diese Karte gekauft, da ich auf einer Page gelesen habe "works". Es sollte aber meiner Meinung nach stehen: "works theoretically, but practically unusable". Die Kernelmeldung bestätigt mir den Fehlkauf:
acx100: It looks like you were coaxed into buying a wireless network card
acx100: that uses the mysterious ACX100 chip from Texas Instruments.
acx100: You should better have bought e.g. a PRISM(R) chipset based card,
acx100: since that would mean REAL vendor Linux support.
acx100: Given this info, it's evident that this driver is quite EXPERIMENTAL,
acx100: thus your mileage may vary. Visit <!l>http://acx100.sf.net<!/l> for support.
Fazit Linux auf dem Desktop ist zurzeit nur für Techies und experimentierfreudige geeignet.
Links und Quellen
http://www.debian.org/ http://www.openoffice.org/ http://fedora.redhat.com/ http://www.mandrakesoft.com/ http://bitconjurer.org/BitTorrent/ http://www.kde.org/ http://www.gnome.org/ http://www.gentoo.org/ http://www.acx100.sf.net/ http://www.suse.com/ http://www.mozilla.org/
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