news, hacks, programme, logs,
tipps und tricks rund um das internet

Artikel / Tipps und Tricks Forum 
Kapitalismus für materielle Güter, Sozialismus für Informationen?

Mit alle den neunen Urheberrechtsgesetzen und Patentgesetzte die momentan in Kraft sind oder noch in Kraft treten werden, frage ich mich, ob das der richtige Weg ist. Sind Patente der richtige Ansatz, um einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil zu erlangen? Wird der technische Fortschritt durch das Patentwesen gefördert?

Autor: tom, zeno - Date: 11.12.2003 - Size: 11304 chars - Hits / Day: 6.29 - Total Hits: 9630
<h3>Wie sind Informationen einzuordnen?</h3>Um diese Frage besser beantworten zu können, vergleichen wir die Eigenschaften von materiellen Gütern und immateriellen Gütern.

<table style="border:1px solid #000000;width:80%;background-color: #f0f0f0;"><tr><td><b>Eigenschaften von materiellen Gütern</b></td><td><b>Eigenschaften von Informationen</b></td></tr><tr valign=top><td><ul><li><b>Nicht beliebig kopierbar</b>
Die materiellen Güter sind physisch vorhanden und lassen sich nicht ohne weiteres kopieren. Brot muss zuerst gebacken werden und ein Auto muss zuerst gebaut werden.</li><li><b>Knapp</b>
Würde es zum Beispiel Autos im Überfluss geben, würde kein Wert auf dem Markt entstehen. Luft ist zum Beispiel ein Gut, dass nicht knapp ist. Man kann auch keine Luft kaufen.</li><li><b>Verliert beim Gebrauch an Wert (Abnutzung)</b>
Durch den Gebrauch des Gutes verliert das Gut an Wert. Ein Auto ist nach 10 Jahren zu ersetzten, eine Waschmaschine hält auch nicht ewig.</li><li><b>Schwer modifizierbar</b>
Ein Gut kann nicht ohne weiteres modifiziert werden. Um ein Auto zu lackieren, muss man erst den Lack, eine Spritzpistole etc. kaufen.</li><li><b>Wert leicht bestimmbar</b>
Durch all die oben genannten Faktoren lässt sich der Wert des Gutes auf dem Markt bestimmen. Der Preis wird durch Angebot und Nachfrage bestimmt.</li></ul></td><td><ul><li><b>Beliebig kopierbar</b>
Digitale Medien, Software, Informationen etc. lassen sich auf Knopfdruck kopieren.</li><li><b>Verliert beim Gebrauch nicht an Wert (keine Abnutzung)</b>
Beim Hören einer CD, beim Benutzen einer Software verliert das Gut nicht an Wert. Es ist immer noch in gleichem Umfang vorhanden.</li><li><b>Informationen sind keine knappen Ressourcen</b>
Da Informationen beliebig oft kopierbar sind und auch keine Abnutzungserscheinungen auftreten, sind diese Ressourcen nicht knapp. </li><li><b>Leicht modifizierbar</b>
Ein digitaler Text kann leicht verändert werden. Software kann leicht modifiziert werden.</li><li><b>Wert nicht leicht bestimmbar</b>
Da diese Ressource nicht knapp ist, kann der Wert nicht leicht bestimmt werden. Bei der Anwendung der Angebots- und Nachfragetheorien ist der Wert des Gutes nur sehr schwierig zu bestimmen.</li></ul></td></tr></table>
Wenn man sich diesen Vergleich ansieht könnten man zum Schluss kommen, dass diese Auflistung Gemeinsamkeiten mit zwei gängigen Wirtschaftsheorien aufweist.

<table style="border:1px solid #000000;width:80%;background-color: #f0f0f0;"> <tr><td><b>Kapitalismus</b></td><td><b>Sozialismus</b></td></tr><tr valign=top><td><ul><li><b>Produkte haben einen Wert</b>
Materielle Güter haben einen Wert, da sie auf dem Markt gehandelt werden können. Bei Informationen ist der Wert nur schwer bestimmbar (die Information an sich).</li><li><b>Produkte gehören einer Person</b>
Da Informationen beliebig oft und ohne Verluste kopiert werden können, kann das Produkt nicht einer Person zugeordnet werden. Es lässt sich jedoch der Urheber ermitteln.</li><li><b>Es herrscht Knappheit von Gütern</b>
Bei Informationen herrscht keine Knappheit. Die Informationen lassen sich praktisch ohne Aufwand vervielfältigen</li></ul></td><td><ul><li><b>Produkte gehören allen</b>
Informationen sind beliebig oft kopierbar, und alle können diese Informationen ohne Verlust benutzten</li><li><b>Es gibt keine Knappheit von Gütern</b>
Informationen sind keine knappen Güter. (vgl. Es herrscht Knappheit von Gütern)</li></ul></td></tr></table>
Jedoch lassen sich diese beiden Vergleiche nicht gut unter einen Hut bringen, denn Güter sind im Sozialismus ebenfalls knapp, bloss das Zuteilungsverfahren berücksichtigt diese Knappheit nicht so direkt wie der Kapitaliusmus. Die Planwirtschaft stellt Güter hauptsächlich zur Deckung von Grundbedürfnissen bereit. Das heisst, die Frage wer was und wieviel erhält wird nicht wie im Kapitalismus durch das Leistungsvermögen der Konsumenten bestimmt. Während Ungleichverteilung im Kapitalismus also vor allem wirtschaftliche Gründe hat, ist im Sozialismus das polititsche System dafür verantwortlich. Und ausserdem: Lassen sich Informationen zentral planen?

<b>Exkurs:</b><br><i>Dabei sollte der Sozialismus eher mit der Wirtschaftsform der bekannten Star Trek Serien ersetzt werden. Denn dort herrscht keine Knappheit von Gütern, alles kann repliziert werden. Jedoch ist es auch eine Leistungsgesellschaft, bei der Forschung und Entwicklung einen sehr hohen Stellenwert hat. Fast jeder träumt von einer Karriere bei der Sternenflotte <!l>http://www.atlantera.de/semitexts/Rhein.html<!/l>. Wobei die Wirtschaftsform eher utopistisch ist, denn eine Welt ohne knappe Güter wie in Star Trek, braucht ja eigentlich gar keine Wirtschaftsform. Aber irgendwie ist diese Idee sowas von unrealistisch, dass sich nicht mal Star Trek selber daran hält. Wieso gibt es trotzdem Handel, wenn man doch alles replizieren kann? Die einzige knappe Ressouce müsste doch Energie sein.. usw.</i>


Zudem können Informationen unter Umständen knapp sein, wenn der Zugang zu Informationen beschränkt ist. Aber auch wenn der Informationszugang uneingeschränkt ist können Informationen trotzdem knapp sein. Das ist genau dann der Fall, wenn die gesuchten Informationen nicht sofort gefunden werden. Man stelle sich nur mal vor, man müsste alle Dokumente durchsuchen um eine Aussage zu finden (Wie findet man zum Beispiel "Herr Müller" in einem Telefonbuch welches nicht sortiert ist?). Abhilfe können intelligente Agent schaffen, die sich nur mit der Aufgabe der Informationssuche beschäftigen.

Ob es in Zukunft auch noch möglich sein wird Informationen kopieren zu können, hängt mit der heutigen Entwicklung zusammen. Mit DRM und TCPA kann man Dokumente so schützen, dass der Urheber eines Werkes die Möglichkeit hat, die Verwendung des Dokumentes zu bestimmen. Es gibt einem die Möglichkeit den Dokumenten ein Verfalldatum zu geben, oder ein Datum, ab dem es geöffnet werden kann. Ob DRM und TCPA auch in ferner Zukunft noch eine Rolle spielen, ist abhängig davon, ob das Primzahlen Problem gelöst werden kann.
<h3>Unendlicher technischer Fortschritt?</h3>Es wird zunehmend versucht, die Informationen durch Urheberrechte zu schützten. Dies vor allem, um Imitationshindernisse zu schaffen und so sich einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil zu sichern.

Ein Punkt, der immer wieder im Zusammenhang mit Patenten erwähnt wird, ist die Aussage �Wieso sollen wir in etwas neues Investieren, wenn ich meine Erfindung nicht schützten kann?�

Ein nachhaltiger Wettbewerbsvorteil kann in zwei Kategorien unterteilt werden (Besenko et al.): �early-mover�-Vorteile und Imitationshindernisse. Die Patente gehören in die Kategorie Imitationshindernisse. So bleibt immer noch der �early-mover� Vorteil. Diese Kategorie drängt sich geradezu auf, in etwas Neues zu investieren. Beim �early mover�-Vorteil ist es ein Vorteil, wenn man als Erster ein neues Produkt auf den Markt bringt und sich so eine installierte Basis schafft, um sich von der Konkurrenz abzusetzten. Man kann Erfahrungen mit dem Produkt sammeln und Skaleneffekte (economy of scale, economy of scope) schon früh ausnützen. Wenn man also nur noch die �early mover�-Vorteile hat, kann man nur durch Investionen in Neues langfrisitg überleben. Daraus folgt ein wesentlich schnellerer technischer Fortschritt, bei dem sich neue Chancen, aber auch Gefahren ergeben können. Dies gilt aber nur für Firmen, die Produkte anbieten. Bei Institutionen, die die Forschungsergebnisse nicht in ihre Produkte einfliessen lassen, gilt das alles nicht mehr. Reine Forschungszentren müssen in dieser Hinsicht mit dem Firmen zusammenarbeiten die Produkte anbieten.

Es kann aber auch genau das Gegenteil bewirken, denn wie lässt sich eine Investion vor Nachahmern beschützten? Wir haben uns bisher nur um Forschung und Entwicklung gekümmert, die in Produkte einfliessen um so einen Vorteil zu erzielen. Wer hindert aber einen daran sich die Forschungsergebnisse einer anderen Firma, die viel Geld investiert hat, anzueignen. Wäre das der Fall, würde die Forschung und Entwicklung nur unter grössten Sicherheitsmassnahmen geschehen, welches wiederum ähnliche Auswirkungen hat wie Patente, nur dass nichts veröffentlicht wird.

Ich denke es gibt ein Reihe weiterer Argument Pro und Kontra, wie zum Beispiel

<ul><li>Kontra: Patente rechtfertigen Innovationskosten durch sicherstellen der Gewinne -> ohne Patentschutz weniger Investition in F&E?</li><li>Pro: Patente bremsen sequentielle Innovationen (Innovationen basierend auf einer vorhergehenden), da dadurch u.U. verhindert wird, dass die Innovation einer Unternehmung zu Innovationen in einer anderen führen kann.</li><li>Pro: Immitation = mehr Wettbewerb = stärkerer Diversifizierungsdruck = vermehrt Innovation</li><li>Kontra: Durch Innovationsdruck werden vermehrt unreife Produkte am Markt angeboten</li></ul>

Es gibt andere Kräfte, die für technischen Fortschritt sorgen. Alle Arten von Hochleistungssport, Raumfahrt, Kriege, Wirtschaft. Kurz gesagt �Not macht erfinderisch�.

Weitere Literatur und Artikel:
<!l>http://www.heise.de/tp/deutsch/special/leb/16076/1.html<!/l>
<!l>http://www.heise.de/tp/deutsch/special/auf/6313/1.html<!/l>
<a href= "http://www.wirtschaft.tu-ilmenau.de/deutsch/institute/wi/wi3/lehreundforschung/veranstaltung-ws02/documents/03_Netzoekonomie_IMDG_02_03.pdf" >http://www.wirtschaft.tu-ilmenau.de</a>
Bemerkungen, Kommentare und Feedback
Beiträge: 3 
  28.11.2003 15:46

Du kannst auch selber einen Thread starten, indem du hier klickst.
 Home
Artikel / Tipps und Tricks
Artikel Navigation
Internes
0 Artikel
    Links and Friends
    5 Links
    Artikel erscheinen ungefähr jeden Monat in unregelmässigen Abständen.

    RSS-feed: rss.xml
    Nope bietet keinerlei Garantie für die auf dieser Seite enthaltenen Tipps, Artikel und Programme. Für Schaden, der aus der Anwendung der hier enthaltenen Daten entsteht, übernehmen wir keine Haftung. Die Nope Homepage enthält Links zu anderen Seiten auf deren Inhalte wir keinen Einfluss haben. Wir übernehmen keine Verantwortung für fremde Inhalte und distanzieren uns ausdrücklich davon.© nope.tv. Die Artikel auf dieser Seite, soweit nicht anders im Artikel erwähnt, stehen unter CreativeCommons License. Die Programme auf dieser Seite, soweit nicht anders im Artikel oder Programm erwähnt, stehen unter der GNU Public License (GPL).